Trumps Enttäuschung ist kaum zu verbergen
Donald Trump hat die Staatsanwältin Jeanine Pirro scharf angegriffen und erklärt, sie habe „den Kopf gesenkt“ und sei „wie ein Regenschirm zusammengeklappt“. Der Auslöser: die überraschende Rücknahme der Anklage gegen den olympischen Ruderer David Hearn. Der Präsident bestellte sie daraufhin persönlich ins Weiße Haus zu einem Krisengespräch – nachdem zuvor ernsthaft über ihre Ablösung nachgedacht worden war.
Dem eigenen Vorgesetzten zu widersprechen erfordert in jedem beruflichen Umfeld außergewöhnlichen Mut. Doch wenn dieser Vorgesetzte der Präsident der Vereinigten Staaten ist, bekommt die Situation eine völlig andere – und weitaus bedrohlichere – Dimension.
Genau das musste Jeanine Pirro, Chefstaatsanwältin für den District of Columbia, kürzlich am eigenen Leib erfahren. Sie sah sich dem präsidialen Zorn ausgesetzt, nachdem sie entschieden hatte, das Strafverfahren rund um den angeblichen Vandalismus am berühmten Reflecting Pool in Washington endgültig einzustellen.
Der Fall, der alles ins Rollen brachte
Die Angelegenheit nahm ihren Lauf, als amerikanische Behörden den olympischen Ruderer David Hearn offiziell wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung an dem bekannten Wasserbecken anklagten. Als das Verfahren dann unerwartet eingestellt wurde, war die Reaktion im Oval Office unmittelbar – und alles andere als gelassen.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, die eigentlich einem ganz anderen Thema gewidmet war, wurde Trump von Journalisten auf die Rücknahme der Anklage angesprochen. Er ließ seiner persönlichen Frustration freien Lauf. „Ich war zutiefst enttäuscht von Jeanine Pirro. Sie ist buchstäblich wie ein Regenschirm zusammengeklappt“, erklärte der Präsident vor laufenden Kameras.
Er fügte hinzu, die Staatsanwältin habe in der gesamten Angelegenheit auf inakzeptable Weise nachgegeben. Dass ein hochrangiger Beamter dem Präsidenten so öffentlich die Gefolgschaft verweigert, ist während Trumps Amtszeit eine ausgesprochen seltene Erscheinung.
Sofortige Einbestellung ins Weiße Haus
Nur wenige Stunden nach der medienwirksamen Kritik erschien Pirro zu einem kurzfristig anberaumten, nicht öffentlichen Treffen in der Residenz des Präsidenten – in Anwesenheit von Donald Trump und Innenminister Doug Burgum.
Die viel diskutierte Einstellung des Verfahrens hatte nämlich einen erheblichen politischen Riss im Verhältnis zwischen der Staatsanwaltschaft, dem Innenministerium und der Präsidentschaft selbst entstehen lassen.
Das Büro der Staatsanwältin verteidigte sich mit dem Argument, die Hauptverantwortung liege allein beim Innenministerium. Dieses habe es versäumt, eine ordnungsgemäße Sanierung des Reflecting Pools vor den großen Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Gründung der Vereinigten Staaten sicherzustellen. Diese Darstellung steht jedoch in direktem Widerspruch zur Überzeugung des Präsidenten, wonach das historische Monument mutwillig und absichtlich beschädigt worden sei.
Eine Entlassung stand ernsthaft im Raum
Aus Kreisen der Regierung verlautete, dass die sofortige Ablösung von Jeanine Pirro von ihrem Posten ernsthaft erwogen worden war. Zeitweise schien ihr Ausscheiden aus dem Regierungsapparat nahezu unausweichlich.
Die frühere Fernsehmoderatorin, die sich im Laufe der Zeit zu einer hochkarätigen Staatsanwältin entwickelt hatte, verließ das schwierige Gespräch jedoch vorerst noch im Amt. Laut ihr nahestehenden Quellen soll sie dem Präsidenten während des Treffens offiziell ihre volle Verantwortung für die Leitung des Büros bestätigt, die umstrittene Entscheidung zur Verfahrenseinstellung jedoch auf nachgeordnete Mitarbeiter ihres Teams geschoben haben.
Trump beharrt derweil mit Nachdruck auf seiner Auffassung, das Wasserbecken sei von einer organisierten Gruppe von Vandalen gezielt verwüstet worden. Ungeachtet dieser Haltung ziehen Bundesstaatsanwälte still und leise auch weitere ähnliche Anklagen gegen Personen zurück, die zuvor wegen Beschädigung des Washingtoner Monuments angeklagt worden waren.
Ob das Weiße Haus weiter auf Musterstrafen drängen wird und ob die tiefen Spannungen zwischen den staatlichen Institutionen sich noch verschärfen, dürfte sich aller Voraussicht nach in den kommenden Wochen zeigen.










