Milliarden werden aus dem Börsenwert von Novo Nordisk ausradiert
Die Märkte haben dem dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk binnen kürzester Zeit Milliarden an Marktkapitalisierung weggewischt. Widersprüchliche Nachrichten rund um die Abnehmmedikamente haben bei Anlegern eine ausgeprägte Nervosität ausgelöst.
Der dänische Pharmariese meldete ein außergewöhnlich starkes Quartal und hob sogar seine Gewinnprognosen an – doch der Markt fand rasch Gründe zur Skepsis. Der Kurs geriet ins Straucheln, weil die Bedenken über den Absatz der neuen Abnehmtabletten zunahmen und gleichzeitig Fragezeichen rund um die nächste Generation von Adipositas-Medikamenten auftauchten. Obwohl das Unternehmen seine Jahresprognosen nach oben korrigierte, machte die verhaltene Börsenreaktion unmissverständlich deutlich, dass die Erwartungen noch weit höher angesetzt worden waren.
Das Augenmerk der Investoren richtet sich auf die Wegovy-Tabletten
Das Management geht nun von einem geringeren Rückgang sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Gewinn aus, als ursprünglich prognostiziert – ein klares Zeichen für eine robustere Geschäftsdynamik. Der Blick der Finanzwelt richtete sich dennoch vor allem auf die orale Version des populären Medikaments Wegovy.
Im vergangenen Quartal erreichte der Umsatz mit diesen Tabletten 3,22 Milliarden dänische Kronen – knapp unter den Analystenerwartungen von 3,3 Milliarden. Auch wenn die Differenz minimal ist, reichte sie aus, um die Begeisterung rund um einen der wichtigsten Wachstumstreiber der Marke merklich abzukühlen.
Portfoliomanager Markus Manns von Union Investment merkte an, dass die einzige echte Überraschung darin bestand, dass die orale Form von Wegovy schlicht die gewöhnlichen Erwartungen erfüllte – ohne sie in irgendeiner Weise zu übertreffen. Experten sind sich einig, dass die Börse nun genau beobachtet, ob Novo Nordisk seine führende Position im Markt für orale Adipositas-Medikamente behaupten kann. Der Konkurrent Eli Lilly intensiviert seine aggressive Vertriebsoffensive in diesem Segment nämlich erheblich.
Starke Gewinne reichten nicht aus, um die Aktie zu stützen
Im zweiten Quartal erzielte der dänische Konzern einen bereinigten operativen Gewinn von 33,4 Milliarden dänischen Kronen – ein jährliches Plus von elf Prozent, das sämtliche Analystenprognosen deutlich übertraf.
Trotz dieser glänzenden Zahlen brachen die in den USA notierten Aktien des Unternehmens unmittelbar nach Veröffentlichung der Ergebnisse um rund sechs Prozent ein.
Dieser unerwartete Rückgang spiegelt nach Einschätzung von Experten weit mehr als nur ein kleines Stolpern beim Wegovy-Absatz wider. Investoren überdenken zunehmend das langfristige Potenzial des gesamten Produktportfolios – vor allem angesichts des immer schärfer werdenden Wettbewerbs im Bereich der Adipositas-Behandlungen.
Erhebliche Aufmerksamkeit galt auch dem Medikament CagriSema, einem Wirkstoff der nächsten Generation zur Behandlung von Diabetes und Fettleibigkeit. Jüngste klinische Studiendaten zeigen, dass dieses Präparat mit der konkurrierenden Therapie von Eli Lilly bei der Gewichtsreduktion mithalten kann – bei der Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetikern jedoch nicht die Nase vorn hat.
Analyst Henrik Hallengreen Laustsen von der Jyske Bank stellte fest, dass die Ergebnisse zwar eine vergleichbare Wirksamkeit bestätigen, im Wesentlichen aber zeigen, dass das neue Produkt dem Angebot von Lilly nicht überlegen ist. Diese Schlussfolgerungen haben die Befürchtungen weiter verstärkt, dass das dänische Unternehmen noch keinen klaren Vorteil gegenüber seinem wichtigsten Konkurrenten vorweisen kann.
Das Rennen mit den pharmazeutischen Rivalen wird immer enger
CEO Mike Doustdar hat im vergangenen Jahr intensiv daran gearbeitet, verlorenen Schwung zurückzugewinnen, nachdem das Unternehmen einen Rückgang beim Umsatzwachstum und einen deutlichen Einbruch der Marktkapitalisierung erlebt hatte. Neben strikten Sparmaßnahmen setzte die Gesellschaft auf eine massive Ausweitung des Vertriebs von oralem Wegovy und trieb parallel dazu die Entwicklung wirksamerer Wirkstoffe zur Gewichtsreduktion voran.
Branchenexperten gehen davon aus, dass der globale Markt für Adipositas-Medikamente bis Ende dieses Jahrzehnts problemlos die Marke von 100 Milliarden US-Dollar jährlich überschreiten wird. Das versetzt Novo Nordisk und Eli Lilly in einen zunehmend erbitterten Kampf um die weltweite Vorherrschaft.
Die jüngsten Finanzergebnisse haben Investoren zwar beruhigt, dass das laufende Geschäft nach wie vor äußerst profitabel ist – doch das Klima wandelt sich allmählich. Die zentrale Frage bleibt, ob der dänische Marktführer einen neuen bahnbrechenden kommerziellen Erfolg entwickeln kann, bevor der Patentschutz für die wichtigsten Semaglutid-basierten Produkte schrittweise ausläuft.










