Tausende Hennen auf der Suche nach einer zweiten Chance
Ein Betrieb in der französischen Gemeinde Mory-Moncrux im Departement Oise versucht, rund 3.000 Legehennen vor dem sicheren Schlachthof zu bewahren. Diese Tiere wurden von der industriellen Landwirtschaft aussortiert – und nun können Anwohner und Tierfreunde sie nach Hause holen, ihnen ein ruhigeres Leben schenken und nebenbei frische Eier aus der eigenen Haltung genießen.
In der industriellen Geflügelhaltung gelten strenge wirtschaftliche Regeln: Legehennen werden in der Regel bereits nach zwölf bis vierundzwanzig Monaten ausgesondert, sobald ihre Legeleistung unter eine bestimmte Rentabilitätsschwelle fällt. Der weitaus größte Teil dieser Tiere landet direkt auf dem Schlachthof. Der Betrieb in Mory-Moncrux hat sich für einen deutlich humaneren Weg entschieden.
Der Landwirt hat seine Tore für die Öffentlichkeit geöffnet und stellt die Hennen zur Adoption bereit. Auch wenn diese Vögel bereits einen anstrengenden Legeabschnitt hinter sich haben, können sie in einem häuslichen Umfeld oder bei Kleinhaltungen noch viele Jahre lang in aller Ruhe leben.
Wirtschaftlich hat die Geflügelindustrie sie längst abgeschrieben – als Lebewesen jedoch besitzen sie nach wie vor einen enormen Wert.
Den Organisatoren dieser Rettungsaktion zufolge werden die Hennen noch über einen langen Zeitraum Eier legen. Das Tempo wird zwar nicht mehr so hoch sein wie im ersten Lebensjahr, doch für die meisten Haushalte spielt das keine entscheidende Rolle: Ein paar frische Eier pro Woche und Huhn decken den durchschnittlichen Bedarf einer Familie problemlos.
So funktioniert die Adoption im Detail
Interessierte müssen sich vorab anmelden und die Tiere dann persönlich auf dem Hof abholen. Die Übergabe erfolgt direkt vor Ort, weshalb die neuen Besitzer geeignete Transportboxen oder stabile Kartons mitbringen sollten, um die Hennen sicher nach Hause zu bringen.
Pro gerettetem Tier wird ein symbolischer Beitrag erhoben. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um ein kommerzielles Angebot: Das gesammelte Geld fließt ausschließlich in Transportkosten, Grundversorgung und die aufwendige Logistik der gesamten Rettungsaktion.
- Die Tiere stammen aus einem professionellen Großbetrieb.
- Sie haben bereits einen vollständigen Produktionszyklus absolviert.
- Das Geflügel muss persönlich vor Ort abgeholt werden.
- Es wird ein kleiner Unkostenbeitrag zur Deckung der anfallenden Kosten erhoben.
Freiwillige und Mitarbeiter des landwirtschaftlichen Betriebs stehen vor Ort bereit und erklären gerne die Grundlagen einer artgerechten Haltung. So wissen neue Halter von Anfang an, was sie erwartet, wenn sie ihre gefiederten Mitbewohner mit nach Hause nehmen.
Warum die Intensivhaltung Hennen so früh aussortiert
Die industrielle Landwirtschaft folgt kompromisslos dem Prinzip von Gewinn und maximaler Effizienz. Eine junge Henne legt nahezu täglich ein Ei. Sobald ihre Leistung auch nur geringfügig nachlässt, ist es für die Betriebe weitaus rentabler, den gesamten Stall zu räumen und ihn mit einer frischen, jüngeren Generation zu belegen.
Für das Tier selbst muss das jedoch keineswegs das Ende bedeuten. In einer ruhigen Umgebung mit ausreichend Platz und ohne unnötigen Stress kann es noch viele weitere Jahre unbeschwert leben. Die Legeleistung nimmt zwar ab, bleibt aber als natürlicher, funktionierender Prozess erhalten – beeinflusst von Rasse, Alter, Gesundheit und Jahreszeit.
Wo der unerbittliche Kalender der Intensivhaltung endet, beginnt für diese Tiere oft erst ein entspanntes Leben im heimischen Garten.
Aktionen wie diese im Departement Oise sind eine direkte Reaktion auf die wachsende Kritik an den Haltungsbedingungen in der Nutztierhaltung. Immer mehr Menschen akzeptieren es nicht länger, dass völlig gesunde Tiere allein aus finanziellen Gründen getötet werden, und geben ihnen stattdessen bereitwillig eine zweite Chance.
Was für die Hühnerhaltung im Garten benötigt wird
Ein Huhn zu halten ist keine besonders komplizierte Angelegenheit, erfordert aber eine solide Grundausstattung und eine verlässliche tägliche Routine. Die Organisatoren empfehlen allen Interessierten, sich im Vorfeld gründlich mit den praktischen Anforderungen dieses Engagements auseinanderzusetzen.
- Sicherer Außenbereich: Ein eingezäunter Garten oder ein großzügiges Gehege, in dem die Tiere frei scharren und Staubbäder nehmen können.
- Ein zuverlässiger Hühnerstall: Eine stabile Unterkunft, die nachts gut verschlossen werden kann, um die Hennen vor Räubern wie Füchsen, Mardern oder Ratten zu schützen.
- Hochwertiges Futter und Wasser: Ein ausgewogenes Legemehl, Körner als Magengrieß zur Verdauungsunterstützung sowie dauerhaft frisches, sauberes Trinkwasser.
- Regelmäßige Hygiene: Konsequente Kotentfernung, regelmäßiger Einstauschwechsel und Kontrolle auf äußere Parasiten wie Milben oder Läuse.
Wer diesen Tieren etwas Zeit und Aufmerksamkeit schenkt, wird reichlich belohnt – durch eine überraschende Anhänglichkeit. Viele Hennen zähmen sich erstaunlich schnell und kommen neugierig ans Gitter gelaufen, sobald sie ihre Bezugsperson erblicken.
Was Hühner fressen dürfen – und was besser nicht
Hühner sind ausgesprochene Allesfresser, doch das bedeutet nicht, dass jedes Lebensmittel für sie verträglich ist. Küchenabfälle mit Fleisch- oder Fischanteilen sind in den meisten europäischen Ländern aus tierseuchenrechtlichen Gründen strikt verboten. Kleine Mengen Gemüseschnipsel oder nicht schimmliges, altbackenes Brot schaden den Tieren nicht – solange ein vollwertiges, ausgewogenes Legefutter die Basis der Ernährung bildet.
Vom Produktionsmittel zum vollwertigen Familienmitglied
Während die Geflügelindustrie die Hennen aus dem Oise schlicht als auszusortierende Ware betrachtet, werden sie in ihren neuen Familien schnell zu besonderen Haustieren – jedes mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit. Wer an ähnlichen Aktionen teilgenommen hat, berichtet häufig davon, dass sich sein Blick auf Tiere grundlegend verändert hat.
Diese Vögel erkennen einzelne Familienmitglieder mühelos, verteidigen ihren Lieblingsplatz auf der Sitzstange vehement und zeigen innerhalb der Gruppe mitunter recht ausgeprägte Hierarchiedynamiken. Das erfordert etwas Geduld: Wenn eine neue Henne in eine bestehende Gruppe eingeführt wird, kommt es meist einige Tage lang zu Unruhe, bis die Rangordnung neu festgelegt ist.
Wer im Huhn nur eine biologische Eiermaschine sieht, kennt noch längst nicht die Hälfte dieser faszinierenden Tiere.
Für Familien mit Kindern bietet die Hühnerhaltung einen enormen Mehrwert in Sachen praktischer Umweltbildung. Die Kleinen sehen mit eigenen Augen, wo das Sonntagsfrühstück herkommt, lernen Verantwortung zu übernehmen, indem sie den Futtertrog auffüllen, und begreifen, dass Tiere bei jedem Wetter Pflege benötigen – ob Regen oder Sturm.
Was vor der endgültigen Entscheidung bedacht werden sollte
Ein Tier aus der Intensivhaltung zu adoptieren ist kein sommerliches Experiment, sondern eine ernsthafte Verpflichtung für mehrere Jahre. Aus solchen Verhältnissen gerettete Tiere sind in der Regel zwischen achtzehn und vierundzwanzig Monate alt. Mit liebevoller Pflege können sie noch fünf bis sieben Jahre, mitunter sogar länger, leben. Und zu diesem letzten Lebensabschnitt gehört unweigerlich auch eine Phase, in der sie gar keine Eier mehr legen.
Künftige Halter sollten sich daher ehrlich ein paar grundlegende Fragen stellen:
- Was passiert mit den älteren Tieren, wenn sie endgültig aufhören zu legen?
- Wer versorgt die Herde während des Sommerurlaubs?
- Tolerieren die Nachbarn gelegentliche Morgengeräusche und frei laufendes Geflügel?
- Sind Sie bereit, im Falle von Verletzungen oder Krankheiten auch tierärztliche Kosten zu tragen?
Wer über ausreichend Außenfläche verfügt, findet in einer kleinen Hennenschar einen wunderbaren Schritt in Richtung nachhaltigeres, ökologischeres Zuhause. Diese unermüdlichen Damen verarbeiten Gemüseabfälle, produzieren erstklassigen Naturdünger für den Gemüsegarten und liefern Eier aus transparenter, ethisch vertretbarer Haltung direkt vom eigenen Grundstück.
Initiativen wie jene der Gemeinde Mory-Moncrux zeigen eindrücklich, dass der Weg zum Schlachthof nicht die einzig mögliche Option sein muss. Gleichzeitig verlangen sie ein hohes Maß an ehrlicher Selbstreflexion. Wer ein Tier aus einem Industriestall nach Hause holt, muss die volle Verantwortung auch für jene Jahre übernehmen, in denen es nichts mehr produziert. Wer diese Herausforderung annimmt, wird in seinem Garten eine überraschende Fülle an Leben und echter Freude entdecken.










