Eine dramatische Erzählung vor dem Weißen Haus
Mit dem nahenden 25. Jahrestag der Anschläge vom 11. September geriet der ehemalige US-Präsident unvermittelt in den Mittelpunkt einer unerwarteten Kontroverse. Bei einer Gedenkveranstaltung auf der Ellipse schilderte er seinen Anhängern eine erschütternde Geschichte. Er behauptete, von Feuerwehrmännern buchstäblich auf den Armen getragen worden zu sein — herausgebracht aus einem gefährlich instabilen Gebäude in der Nähe des verwüsteten Ground Zero.
Diese Aussagen zogen sofort die Aufmerksamkeit unabhängiger Faktenchecker auf sich und lösten eine Welle der Skepsis aus. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Eine Flut kritischer Kommentare überschwemmte noch in derselben Nacht die sozialen Medien.
Die nächtliche Gegendarstellung mit überarbeiteter Zeitlinie
Mitten in der Nacht begann Donald Trump damit, wütend eine lange Erklärung zu verfassen, die er erst in den frühen Morgenstunden fertigstellte. In seinem emotionsgeladenen, 476 Wörter umfassenden Beitrag bekräftigte er nachdrücklich seine eigene Version der Ereignisse. Er betonte, seine Erinnerungen seien absolut korrekt, und kündigte an, Videoaufnahmen vorzulegen, die ihn gemeinsam mit damaligen Mitarbeitern am Ort der Tragödie zeigen.
Allerdings korrigierte er in demselben Text die Chronologie der Ereignisse leicht. Er räumte ein, am eigentlichen Tag der Anschläge nicht vor Ort gewesen zu sein. Seiner neuen Darstellung zufolge sei er erst zu einem späteren Zeitpunkt dorthin gelangt — begleitet von einer größeren Gruppe von Bauarbeitern.
Knarrendes Stahl und fehlende Beweise
Bei der Zeremonie am Dienstag unter dem Titel „Steel Across America“, die neben einem mächtigen, sechs Meter langen Stahlträger aus den Trümmern des Südturms stattfand, beschrieb der Ex-Präsident den Anwesenden einen Moment extremer Anspannung. Laut seiner Schilderung hätten ihn zwei Feuerwehrmänner unter den Armen gepackt und ihn aufgefordert, sofort zu gehen — indem sie ihn körperlich aus dem Gefahrenbereich heraustrugen. In jenem Moment, so behauptete er, habe die Struktur des historischen U.S. Steel Building — heute bekannt als One Liberty Plaza — unheilverkündend unter seinen Füßen geknarrt.
Recherchen ergaben jedoch keinerlei offizielle Aufzeichnungen, die diese heldenhafte Rettung bestätigen würden. Ebenso existieren keine Belege dafür, dass er Hunderte von Rettungskräften an den Einsatzort geführt haben soll. Ein ehemaliger Feuerwehrkommandant bestätigte unmissverständlich, dass ein Ereignis dieser Tragweite zwingend in den offiziellen Berichten dokumentiert worden wäre.
Die historischen Fakten sind eindeutig: Am Tag der Anschläge im Jahr 2001 befand sich der damalige Privatmann in seinem Trump Tower an der Fifth Avenue in Manhattan — einem Gebäude, das rund vier Kilometer von Ground Zero entfernt liegt.
Heftige Angriffe und Schweigen aus dem Weißen Haus
Die lange nächtliche Botschaft enthielt nicht nur eine persönliche Verteidigung, sondern auch scharfe persönliche Angriffe. Im Fadenkreuz landete eine bekannte politische Journalistin, die kurz zuvor seine Pläne für die bevorstehenden Gedenkfeiern in Frage gestellt hatte. Trump beleidigte sie in seinem Text, bezeichnete sie als „Wurm“ und erklärte öffentlich, sie sei innen wie außen abstoßend.
Dieser Wutausbruch folgte kurz nach der Bekanntmachung, dass der Ex-Präsident an der Gedenkfeier im Pentagon teilnehmen wolle — und damit das zentrale Mahnmal in Manhattan meide, wo seit 2012 Politikern das Halten öffentlicher Reden strikt untersagt ist.
Als Journalisten versuchten, konkrete Belege direkt von der Verwaltung des Weißen Hauses zu erhalten, erhielten sie lediglich eine ausweichende Antwort. In einer nicht unterzeichneten E-Mail hieß es schlicht, er sei zu jener Zeit eine Privatperson gewesen, und daher seien seine Bewegungen nicht lückenlos dokumentiert worden.
Bis heute sind keine überzeugenden Beweise für die dramatische Rettungsaktion aufgetaucht. Den 25. Jahrestag der Anschläge begeht Amerika genau am Freitag, dem 11. September.










