Massenflucht in Richtung Ausgänge
Politische Kundgebungen verfolgen ein klares Ziel: Rückhalt aufbauen und die Wählerschaft vor anstehenden Wahlen mobilisieren. Doch wenn eine Veranstaltung dieser Größenordnung weit über jedes vernünftige Maß hinausgeht, wird das Aufrechterhalten der anfänglichen Begeisterung zu einer echten Loyalitätsprobe.
In der American Airlines Arena in Dallas hatten sich Tausende konservative Delegierte zu einer alles andere als gewöhnlichen nationalen Konferenz versammelt. Als der ehemalige Präsident unter den Klängen einer traditionellen Patriotenhymne die Bühne betrat, empfing ihn die Menge mit ohrenbetäubendem Jubel.
Die Euphorie hielt jedoch nicht lange an. Bereits nach dreißig Minuten Rede begannen die Teilnehmer in ihren Wahlkampf-T-Shirts nervös auf ihre Handys zu schauen, und erste kleine Grüppchen schlenderten langsam in Richtung Ausgang.
Nach anderthalb Stunden hatte sich das, was als dezenter Abzug begonnen hatte, in einen regelrechten Massenexodus zu den Notausgängen verwandelt. Veranstaltungshelfer riefen den Delegierten aus der Distanz zu, sofort auf ihre Plätze zurückzukehren. Ein Mitglied des Sicherheitspersonals warnte die Anwesenden sogar, dass der Hauptredner des Abends wütend sein würde, wenn er einen halbleeren Saal vor sich sähe.
Verzweifelte Bitten an die eigenen Anhänger
Am Rednerpult bemerkte der Sprecher die immer deutlicher werdenden Lücken im Publikum und attackierte prompt die anwesenden Journalisten. Unter Berufung auf einen Reporter einer großen Tageszeitung bestand er nachdrücklich darauf, dass die Arena bis auf den letzten Platz gefüllt sei und absolut niemand seinen Platz verlasse.
Es folgte eine ausgesprochen kreative Erklärung der Lage. Laut ihm hätten sich die sich entfernenden Unterstützer lediglich aus persönlichen Gründen kurz entfernt. Außerdem warnte er die Menge, die Medienvertreter würden absichtlich Fotos von leeren Plätzen schießen, um eine falsche Geschichte über das mangelnde Interesse der Wähler zu konstruieren.
„Dieser Herr ist nur kurz auf die Toilette gegangen und ist in zwei Minuten zurück“, kommentierte er die Bewegung eines sich entfernenden Teilnehmers. Unmittelbar danach folgte jedoch eine überraschende Bitte ins Mikrofon: „Deshalb bitte ich Sie – wenn es Ihnen nichts ausmacht – jetzt sollte niemand mehr zur Toilette gehen.“
Desinteresse bei Fernsehzuschauern und Politikern
Der Aufmerksamkeitsschwund beschränkte sich allerdings nicht auf die Wände der Sportarena in Dallas. Die großen Fernsehsender brachen ihre Übertragung des Ereignisses bemerkenswert schnell ab. Ein bekannter Nachrichtensender sendete die Rede gerade einmal fünfzehn Minuten lang, bevor er zu einer Studiodiskussion mit Experten wechselte.
Andere nationale Kanäle zogen es vor, ihr reguläres Programm beizubehalten – darunter auch Sportübertragungen. Die vollständige Rede wurde live einzig von einem großen konservativen Sender ausgestrahlt. Auch im Internet stieß das Ereignis auf wenig Resonanz, da die Online-Streams zeitgleich nur von einigen wenigen Tausend Zuschauern verfolgt wurden.
Die Veranstalter hatten das Treffen in Texas als wahrhaft historischen Moment angekündigt und eine grandiose Show versprochen. Trotz dieser hochgesteckten Erwartungen entschieden sich mehrere hochrangige Politiker, dem Kongress fernzubleiben. Als Begründung für die Abwesenheiten wurden hauptsächlich Überschneidungen in bereits vollen Terminkalendern sowie als zu hoch empfundene Teilnahmekosten angeführt.










